|
Gruselige Wahrheiten rund um die Schwarzarbeit: Sie frisst inzwischen 16 Prozent des deutschen Bruttoinlandproduktes mit einem jährlichen Volumen von 345 Milliarden Euro auf. Eine Summe also, die Vater Staat null Cent Einnahmen beschert. Dagegen muten die ca. 156.000 Euro Bußgelder, die 2005 in rund 1.100 Verfahren den „schwarzen Schafen“ Sachsens auferlegt wurden, wie die symbolische dritte Tüte Chips an, die man seinem Kinde nach dem heißhungrigen Verzehr der ersten beiden Tüten zu spät wegnimmt – es lebe die gespielte Entrüstung!
|
|
|
Babys sind hilflos und leben in ihrer eigenen Welt? Weit gefehlt. Schon
ein Neugeborenes ist auf Interaktion ausgerichtet und versucht den
Gesichtsausdruck der Mama zu imitieren. Hier liegt der Schlüssel zum
Lernen. Wie genau dieser Wissenserwerb durch soziale Reize funktioniert,
untersucht die US-Amerikanerin Dr. Tricia Striano seit dem Jahr 2000 an
tausenden Leipziger Babys zwischen 6 Wochen und ca. einem Jahr.
Ihre Forschungsergebnisse sind so bedeutend, dass sie 2004 den hochdotierten
Wissenschaftspreis „Sofja Kowaleskaja“ der Alexander von
Humboldt-Stifung bekam. Er sichert dem Leipziger Forschungslabor für
frühkindliche Entwicklung die Arbeit bis Ende 2008.
Gerade jetzt, wo schreckliche Geschichten von vernachlässigten Babys
durch die Medien geistern, zeigen sie, wie wichtig die richtige
Betreuung im ersten Lebensjahr ist. Galt bei vielen Forschern bislang
die Meinung, dass Kinder in diesem Zeitraum nicht gleichzeitig begreifen
können, wie ein Spielpartner mit einem Spielzeug und ihnen selber
interagiert, konnte Striano das Gegenteil nachweisen.
Schon mit sechs Wochen versteht unser Nachwuchs die Dreierkombination
Spielzeug, Mama, Ich.
Gelernt werden solche Dinge allerdings nur über soziale Interaktion.
„Wir haben 24 EEG-Studien und 25 Verhaltensstudien aus diesen Bereichen
durchgeführt. Blickkontakt und/oder Sprache einer erwachsenen Person
waren immer wichtig für Aufmerksamkeit und Erinnerungsvermögen der
Babys“, erzählt Stefanie Höhl, Diplomandin im Babylabor, und gibt ein
Beispiel: Das Gehirn eines neun Monate alten Kind wird durch eine
EEG-Haube – völlig schmerzfrei – verkabelt. Dann spricht eine Person mit
ihm und schaut mit dem Krümel zusammen auf einen Bildschirm. Im zweiten
Versuch spricht niemand und das Baby soll allein TV gucken. Das Ergebnis
- allein die Beschäftigung des Erwachsenen bewirkt eine höhere
Konzentration.
In einem anderen Experiment – verrät Stefanie Höhl – sollten die kleinen
Versuchspersonen über eine Plexiglasscheibe krabbeln, unter der sich ein
Abgrund auftat. Nur das Kleine, mit dem die Mama viel sprach, traute sich.
Ebenfalls eine Erkenntnis aus dem Versuchslabor: Unsere Kinder brauchen
promte Reaktionen. Reagiert eine Mutter – wie das z.B. bei Depressiven
der Fall ist – nicht unmittelbar, fühlt der Nachwuchs sich verunsichert.
Das kann negative Auswirkungen auf das Sozialverhalten und das wiederum
auf das Lernen haben.
Schon im zarten Alter von nur neun Monaten haben übrigens die Kleinen
die Fähigkeit sich zu wundern, wenn ein Erwachsener nicht das tut, was
von ihm erwartet wird. Führt er den Löffel statt zum Mund, zum Auge
funkt die Synapse des Babys genauso Erstaunen wie die von Mama oder
Papa.
„Bislang haben wir das Lernen nur in Leipzig erforscht. Seit
kurzem gibt es auch ein interkulturelles Projekt. So ist es z.B. in
Fernost oft weniger wichtig, dass das Kind im eigenen Bett schläft, als
das es in die Gruppe integriert wird. Wir untersuchen solche
Unterschiede völlig wertungsfrei“, gibt Diplomandin Höhl einen Ausblick
in die Zukunft des Babylabors.
Auch autistische Kinder sind jetzt in den Fokus des Wissenschaftsteams
gerückt. Gerade im zwischenmenschlichen Lernen – das für „Normale“ so
wichtig ist – haben sie Defizite. Leider wird Autismus oft erst im
späten Kindergartenalter erkannt. Frühe Diagnose und der umgehende
Behandlungsbeginn sind ein aktuelles Ziel des Leipziger Labors für
frühkindliche Entwicklung.
www.infancy-research.com
|